Glutenfreie Lebensmittel – so findest Du sie ganz sicher!

Die meisten Blogbesucher wissen wahrscheinlich inzwischen, dass Gluten ein Eiweiß ist, welches in bestimmten Getreidesorten vorkommt und auch in einigen Erzeugnissen, die dieses Getreide enthalten (Nudeln, Brot, Vollkornbrot, Pizza usw…..).Wer an dieser Stelle noch nicht weiß, wo Gluten von Natur aus auftaucht und was Gluten überhaupt ist, dem empfehlen ich folgenden Videobeitrag, in dem die

Grundlagen kurz und verständlich erklärt werden:

Gluten, nicht immer auf den Ersten Blick erkennbar

Gluten, nicht immer auf den Ersten Blick erkennbar! Urheberrecht: shaiith / 123RF

Videolink Sendung mit der Maus – Zöliakie

Doch um Gluten sicher in Nahrungsmitteln identifizieren zu können, bedarf es etwas mehr.

Kurz nach meiner Diagnose und Umstellung meiner Ernährung ernährte ich mich einige Wochen ausschließlich von Reis und Kartoffeln und wunderte mich, dass ich dennoch Beschwerden hatte, da Reis und Kartoffeln definitiv keine glutenhaltigen Getreidearten sind und somit von Natur aus kein Gluten enthalten.

Bei einem genaueren Blick auf die Reispackung entdeckte ich schließlich einen Hinweis für Allergiker, der Licht ins Dunkle brachte. Auf der Rückseite der Packung stand „kann Spuren von Gluten enthalten“. Ich war ziemlich baff, denn wie soll man sich glutenfrei ernähren, wenn sogar Lebensmittel, die von Natur aus glutenfrei sind, Gluten enthalten können ?!?

Welche Lebensmittel sind glutenfrei?

Ich durchkämmte die Foren, unterhielt mich mit Bekannten und bekam schon bald erste Antworten auf meine Frage.

Glutenhaltig durch Kontamination:

Die schwierigste Aufgabe besteht für mich immer noch darin, zu identifizieren ob Lebensmittel evtl. kontaminiert sind (mit Gluten in Berührung gekommen sind). Ich möchte an diesem Punkt nochmal auf das Beispiel oben (kontaminierter Reis) eingehen, um eine mögliche Kontamination mit Gluten zu zeigen.

So haben wir ein von Natur aus glutenfreies Produkt, nämlich Reis, welcher Spuren von Gluten enthalten kann. Doch wie kommt das Gluten an den Reis? Hierzu muss man den kompletten Verarbeitungsprozess von der Reisernte über die Waschung bis hin zur Lagerung, Verpackung und dem Transport bis letztendlich zum Verzehr unter die Lupe nehmen.

So ist ein Sack Reis, wenn er in einem LKW transportiert wird, in dem vorher Säcke mit z.B. Weizenmehl transportiert wurden höchstwahrscheinlich mit Gluten kontaminiert. Dasselbe gilt natürlich, wenn der geerntete Reis über ein Fließband läuft, auf dem vorher Nudeln aus Hartweizengrieß liefen. Natürlich sollten die Produzenten versuchen eine Kontamination zu verhindern, aber ich will einfach nochmal verdeutlichen wie es dazu kommen kann, dass ein von Natur aus glutenfreies Nahrungsmittel Spuren von Gluten enthalten kann. Deswegen immer nochmal auf der Packung die Zutatenliste checken und nach Hinweisen für Allergikern schauen.

 

Augen auf in Kantinen und Restaurants

Augen auf in Kantinen und Restaurants! Urheberrecht: senkaya / 123RF

Auch wenn man außerhalb isst, z.B. in einer Kantine, in der sowohl glutenhaltige, als auch glutenfreie Gerichte ausgegeben werden, empfehle ich sich ein Bild zu machen und zu überprüfen, ob ein Kontaminationsrisiko besteht. Hier gilt es neben der Absprache mit dem Personal genau hinzuschauen. Wird die Kelle für die Nudeln etwa auch für den glutenfreien Reis genutzt? Steht das Brotkörbchen direkt auf der Theke über den glutenfreien Bratkartoffeln?

Ja, ich weiß, es ist nervig, immer alles im Blick haben zu müssen. Aber wer das Risiko minimieren möchte, dem empfehlen ich seinen Blick zu schärfen. Abgesehen davon, gibt es inzwischen auch Einrichtungen / Restaurants mit geschultem Personal und hat man erstmal ein Restaurant seines Vertrauens gefunden, kann man sogar ganz entspannt essen gehen – ja, es geht wirklich!

 

Kennzeichnungspflicht für glutenhaltige Lebensmittel:

Lebensmittel die Gluten beinhalten sind da schon wesentlich einfacher ausfindig zu machen. Ein Blick auf die Verpackung / Zutenliste genügt, denn seit dem 25.November

Allergenkennzeichnungsrichtlinie - gilt für alle EU-Mitgliedsstaaten

Allergenkennzeichnungsrichtlinie – gilt für alle EU-Mitgliedsstaaten. Urheberrecht: ginasanders / 123RF

2005 gilt die Richtlinie 2003/89/EG (Allergenkennzeichnungsrichtlinie), die besagt, dass im Raum der Europäischen Union auf Lebensmittelverpackungen Zutaten, die

Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen können, gekennzeichnet werden müssen. Diese Richtlinie, die für alle EU-Mitgliedsstaaten gilt, wurde bei uns durch die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung umgesetzt.

So müssen folgende Allergene auf der Verpackung gekennzeichnet sein:

  • Glutenhaltiges Getreide (d. h. Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel, Kamut oder Hybridstämme davon) sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Krebstiere und Krebstiererzeugnisse
  • Eier und Eierzeugnisse
  • Fisch und Fischerzeugnisse
  • Erdnüsse und Erdnusserzeugnisse
  • Soja und Sojaerzeugnisse
  • Milch und Milcherzeugnisse (einschließlich Laktose)
  • Schalenfrüchte, d. h. Mandel (Amygdalus communis L.), Gemeine Hasel (Corylus avellana), Walnuss (Juglans regia), Kaschunuss (Anacardium occidentale), Pecannuss (Carya illinoiesis (Wangenh.) K. Koch), Paranuss (Bertholletia excelsa), Pistazie (Pistacia vera), Macadamianuss und Queenslandnuss (Macadamia ternifolia) sowie daraus hergestellte Erzeugnisse
  • Sellerie und Sellerieerzeugnisse
  • Senf und Senferzeugnisse
  • Sesamsamen und Sesamsamenerzeugnisse
  • Schwefeldioxid und Sulfite in einer Konzentration von mehr als 10 mg·kg−1 oder 10 mg·l−1, als SO2 angegeben.

 

Blick auf Zutatenliste / Allergikerhinweis nicht vergessen

Blick auf Zutatenliste / Allergikerhinweis nicht vergessen! Urheberrecht: ginasanders / 123RF

Für uns heißt das: Wir können uns auf das verlassen, was auf der Verpackung steht. Wenn keine glutenhaltige Zutat und auch kein Hinweis für Allergiker wie z.B. „Kann Spuren von Gluten enthalten“  auf der Verpackung steht, können wir sicher sein, dass es sich um ein glutenfreies Produkt handelt.

Was ich an dieser Stelle noch erwähnen möchte, ist, dass ein Nahrungsmittel solange es nicht mehr als die winzig geringe Menge von 20 ppm (20mg/kg) Gluten enthält per Definition glutenfrei ist. Somit ist dieses Nahrungsmittel nicht zu 100% glutenfrei, aber es enthält so wenig Gluten, dass es sogar von Menschen mit einer Zöliakie ohne gesundheitliche Risiken verzehrt werden kann.

Diese oben beschriebene Kennzeichnungspflicht erleichtert uns den Einkauf im Supermarkt natürlich enorm und auch wenn man im Supermarkt anfangs länger braucht, weil man Stunden damit verbringt irgendwelche Zutatenlisten zu studieren, legt sich das mit der Zeit, so dass man irgendwann auswendig weiß welche Lebenmittel glutenfrei sind und welche nicht. Doch Vorsicht!
Die Hersteller können die Zutaten für ihr Produkt auch ändern. So lohnt es sich immer mal wieder auf die Zutatenliste zu schauen. Ich habe selber schon erlebt, dass ein vorher glutenfreies Produkt zu einem späteren Zeitpunkt laut Zutatenliste nicht mehr glutenfrei war.
Ganz einfach wird es uns bei Produkten mit der durchgestrichenen Getreideähre auf der Verpackung gemacht. Dieses Symbol steht für „glutenfrei“, so dass man ohne weiter nachzudenken zugreifen kann, wenn man dieses Symbol auf einem Produkt sieht.

Liste für glutenfreie lebensmittel

Am praktischsten wäre doch aber eine Liste aller glutenfreien Lebensmittel !?!
Ja, stimmt! Und genau so eine Liste gibt es auch!
Seit einem guten halben Jahr bin ich Mitglied bei der Deutschen Zöliakie Gesellschaft und dort wird jedem Mitglied genau so eine Liste zur Verfügung gestellt.

Gleich nach meinem Eintritt bekam ich einen Ordner mit vielen Unterlagen der DZG zugeschickt. Dabei war auch die besagte Lebensmittelliste im Taschenbuchformat. In dieser Aufstellung

Liste glutenfreie Lebensmittel - DZG

Auflistung glutenfreier Lebensmittel
Lebenmittelliste der DZG

glutenfreier Lebensmittel stehen wirklich tausende glutenfreie Produkte, so dass man am Anfang erstmal nur blättert und kaum glauben kann, dass es wirklich so viele glutenfreie Lebensmittel gibt. Auch wenn diese Liste etwas unübersichtlich wirkt, ist sie eine echte Hilfe bei den täglichen Einkäufen. Zusätzlich bekommt man als Mitglied einen Online-Zugang zum DZG-Mitgliedsbereich, in dem es möglich ist, schnell am PC per Suchfunktion glutenfreie Lebensmittel zu suchen. Wirklich praktisch!

Ich weiß, dass ich euch mit dem Beitrag mit vielen Informationen bombadiere, aber hätte ich vor einigen Jahren gewusst, was ich heute weiß, wäre mir so mancher Gluten-Ausrutscher erspart geblieben.

Quellen:

Richtlinie 2003/89/EG (Allergenkennzeichnungsrichtlinie) – auf Wikipedia

Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung – auf Wikipedia

Neuer Standard für „glutenfrei“ – Auf dzg-online.de

3 Responses

  1. Hallo Deniz, vielen Dank für die Informationen die du auf deinem Blog bereitstellst.
    Allerdings sehen wir das mit den Spuren Hinweis anders und haben dies auch nach Rücksparche mit Herstellern so auf usnerem Blog veröffentlicht. Den Satz mit „Kann Spuren …“ oder „enthält Spuren…“ kannst du getrost bei verarbeiteten Lebensmitteln (außer bei Getreideprodukte wie Flocken oder Mehl) überlesen. Solange nichts in der Zutatenliste (vor dem Punkt) steht, ist es als glutenfrei anzusehen. Der Bemerkungssatz mit den Spuren ist nur eine rechtliche Absicherung. Die Produkte enthalten trotzdem kein Gluten. Die DZG meint auch das der Satz mehr verwirrt als das er hilft.

    • Deniz sagt:

      Hallo, ich bin in Foren schon oft auf die „Kann Spuren…..“ oder „enthält Spuren…..“ Thematik gestoßen und weiß, dass dort immernoch sehr viel Unklarheit herrscht.
      Selbst die DZG drückt es wie folgt aus:
      „Der Hinweis “kann Spuren enthalten von…” bedeutet, dass es im Herstellungsprozess zu Kontaminationen kommen kann, aber in der eigentlichen Rezeptur kein Gluten enthalten ist.“
      Wenn ein Lebensmittel durch eine evtl. Kontamination ungenießbar für mich und andere Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit ist, kann ich dieses grundsätzlich nicht empfehlen. VG!

      Quellen:
      https://www.dzg-online.de/therapie.315.0.html
      http://www.dzg-online.de/dzg-aktuell-032009.760.0.html

  2. Hallo Deniz, die von dir veröffentlichte persönliche Meinung über den „Spuren Satz“ hören wir vor allem bei Anfängern oft. Es ist aber nicht so wie du denkst. Kontamination kann in jedem verarbeiteten Lebensmittel auftreten. Der Satz wird leider von Lebensmittelherstellern inflationär gebraucht um sich rechtlich abzusichern. Es ist so das du dich vollkommen auf die Zutatenliste verlassen kannst. Es ist übrigens egal ob der Spruch drauf steht oder nicht. Das Kontaminationsrisiko ist immer gleich ;). Wir und viele andere Mitglieder unserer über 8000 Mitglieder großen Gruppe lassen sich nicht von dem Satz täuschen, und essen auch Produkte (außer Mehle oder Getreideprodukte) die den Satz aufgedruckt haben. Es ist nach unserer Ansicht eine unnötige Einschränkung – übrigens regelmäßig überprüft durch Antikörperkontrollen im Blut. Wir haben dadurch ein umfangreiches und sicheres Angebot an glutenfreien Produkten. Und das Vorgehen empfehlen wir auch jedem Neumitglied. Ihr könnt Euch auf die Erfahrung von vielen langjährigen Zöliakiebetroffenen, denen es mit dieser Vorgehensweise gut geht, verlassen.

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